Neue Poesie und das Ryck-Lebenselixier

von Big-Jump-Team DE

ein Resümee von »zwischenbericht« zur »Ryckeroberung« BigJump 2014,  Alter Hafen, Greifswald, 13. Juli 2014

 

 »Ryckeroberung« klingt im ersten Moment für einen Außenstehenden nach Anarchie oder Revolution. Wie sehr eine Revolution nötig wäre, um wirksame Veränderungsprozesse im Umgang mit der Natur zu initiieren, sieht man in Anbetracht der alarmierenden Zahlen der Wasserbelastung des Rycks und der Ostsee. Politische Aktionen wie die Big Jumps sind zwar weniger konfrontativ, fordernd oder systemumstürzend, als vielmehr aufklärend und identitätsstiftend, aber sie tragen zu einem wachsenden Bewusstsein für die Natur vor allem in der jungen Generation bei. Die vornehmlich jungen Greifswalder, die sich am 13. Juli 2014 entschlossen hatten in den Ryck zu springen, um auf die schlechte Wasserqualität hinzuweisen, setzten mit dieser Aktion ein öffentliches Zeichen. Viele Menschen aller Generationen sind hinzu gekommen, um dem Schauspiel beizuwohnen. Die Veranstaltung macht deutlich: ein zeitgemäßes Naturbewusstsein findet neue Formen, die den Wissensaustausch, den Widerstand und neue Kooperationen ermöglichen.

 

Gehen wir in Gedanken um 240 Jahre zurück: in Greifswald wurde einer der Hauptvertreter der Romantischen Malerei, Caspar-David Friedrich, geboren. Er setzte sich in der Zeit der Frühromantik mit dem Verhältnis von Mensch, Natur und Kunst auseinander – künstlerisch, imaginär, verklärt ... eine Freiheit, die damals nicht vielen Menschen möglich war. Das Leben und die Gesellschaft poetisch zu machen, war die politische Intention der Romantik. Wenn die Sonne im Greifswalder Hafen in der frühen Abendstunde einen ähnlichen Horizont zeichnet, wie wir ihn von CDF kennen, wird die Geste des Wassersprunges von jungen Leuten, die sich für die Natur einsetzen wollen, heute im sinnlichen und politischen Sinne romantisch. Im metaphorisch aufscheinenden Bild ist es der Einzelne, der Harmonie und Schönheit als Lebenselixier benötigt, wie sauberes Wasser.

Wir, Anja Schoeller und Kerstin Polzin, von »zwischenbericht« waren von GETIDOS an den Ryck eingeladen worden. Für ein wachsendes Naturbewusstsein nahmen wir das kulturelle, auf die Romantik bezogene, Vermächtnis von Greifswald zum Anlass, um Flusswasser und Kunst ganz im Konkreten zu verbinden. Den Menschen die sich nicht 'trauten' zu springen, haben wir an diesem Tag mit dem Angebot zu aquarellieren, eine Möglichkeit geschaffen, sich kreativ mit der Thematik des Ryckwassers auseinander zu setzen.

Das Aquarell, vom lateinischen »Aqua« für »Wasser« herstammend, entsteht mit lasierenden Farben und verdünntem Wasser - in diesem Fall stammte das Wasser direkt von dem Ryck. Nachempfundene Farbigkeit, Visionen und Wünsche für die Landschaft sowie Geschichten flossen in die Bilder ein.

An der Uferpromenade des Rycks wurden von den Besuchern mehr als 50 Malereien, gegenständlich aber auch abstrakt, angefertigt. Begeistert wurde die einfache altmeisterliche Technik von allen Generationen aufgenommen. Es entstanden Impressionen direkt vor Ort, ganz nach der Lust und im Sinne eines C.D. Friedrichs. 

Spürbar kam das Gefühl von 'Ryck-Besinnung'  beim Malen auf. Es kam immer wieder zu sehr interessanten Gesprächen mit Einwohnern, die z.B. bereits als Kinder in dem Ryck badeten. Genauso wie viele junge Erwachsene, die sich gerne für den Moment die Zeit nahmen, Ihre Wunsch-Wasser-Landschaft zu malen oder darüber hinaus es als Gelegenheit sahen, sich beseelt für den Moment hinzugeben und das Wasser und seine vielfältige Gestalt einfach wahrzunehmen.

In einem zweiten Teil der Aktion werden die Kunstwerke, die uns großzügiger Weise zur Verfügung gestellt worden sind, aus Greifswald an Schulen und Partnerstädte in den Ostseeanrainerstaaten versendet – ein Gruß an die Nachbarn am gemeinsamen Binnenmeer und eine Einladung, der Idee zu folgen und selbst Flussaquarelle zurückzuschicken. Diese sollen 2015 zu einer Flussaquarell-Ausstellung zusammengestellt und präsentiert werden. In der Aktion steckt auch der Aufruf, sich an weiteren politischen Aktionen und Begegnungen zu beteiligen, die gemeinsam auf den Wasserschutz und den Naturraum „Ostsee“ hinweisen. Eine gute Gelegenheit dazu ist der Big Jump, der europäische Flussbadetag, der am 12. Juli 2015 stattfindet (www.bigjump.org) und die Jugendkampagne Big Jump Challenge, die bereits ab Herbst 2014 mit Jugendgruppen aus ganz Europa Beiträge zum Flussbadetag 2015 erarbeitet.

Wir wüschen dem Vorhaben noch viel Erfolg und bedanken uns, bei all den motivierten Greifswalder Aquarellkünstlern, die ihre Bilder für diesen Zweck spendeten. In nächster Zeit, werden die Aquarelle auf der Internetseite des Big Jump zu bewundern sein - wir freuen uns darauf!

 

Ein großes Dankeschön an die zuverlässige, engagierte und hingebungsvolle Crew von Getidos: Sabrina, Lukas, Franziska und Rafael, und an Anne vom NABU!

 

Neoromantische Grüße von

Anja und Kerstin

 

»zwischenbericht«

– Berlin/Fürth –

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Ahoj- Herzlichen Dank den Veranstaltern für die schöne Präsentation - wir kommen gerne wieder.
Die Neoromantiker

- Anja Schoeller |

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